Homecare-Management-Kongress

HHVG: Gesundheitsministerium schließt Klarstellungen nicht aus

Acht Monate nach Inkrafttreten des HHVG: Auf dem 4. Homecare-Management-Kongress von MedInform am 29. November 2017 in Berlin zogen Branchenexperten eine Zwischenbilanz.

Acht Monate nach Inkrafttreten des Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes (HHVG) bestehen noch zahlreiche offene Fragen und Baustellen, um die Versorgung der Patienten mit Hilfsmitteln zu verbessern. Das zeigten die Experten des 4. Homecare-Management-Kongresses von MedInform am 29. November 2017 in Berlin auf. Einer der strittigen Punkte vor rund 170 Teilnehmern war laut einer BVMed-Mitteilung die Frage, was unter Versorgungen mit hohem Dienstleistungsanteil zu verstehen sei.

Hersteller und Leistungserbringer kritisierten, dass die Krankenkassen mittlerweile auch klassische Homecare-Versorgungen wie ableitende Inkontinenz- oder Stoma-Versorgungen ausschreiben. Andreas Brandhorst vom Bundesgesundheitsministerium schloss „gesetzliche Klarstellungen“ nicht aus. Dafür müssten aber noch mehr Erfahrungswerte vorliegen. Letztendlich müsse immer die individuelle Hilfsmittel-Versorgung im Mittelpunkt stehen, so Dr. Jörg Nosek von Wellspect Healthcare. Carla Meyerhoff-Grienberger sieht den GKV-Spitzenverband bei der kompletten Überarbeitung des Hilfsmittelverzeichnisses auf einem guten Weg, auch wenn noch viel Detailarbeit erforderlich sei.

Der Homecare-Kongress beleuchtete auch die Perspektiven der Homecare-Versorgung. In einer älter werdenden Gesellschaft werde die Versorgung mit Hilfsmitteln immer wichtiger. Der zunehmende Fachkräftemangel bei immer komplexeren Versorgungssituationen könne nur durch sektorenübergreifende und patientenzentrierte Behandlungskonzepte gelöst werden, so die Experten. Netzwerke nehmen daher an Bedeutung zu. Die digitale Transformation der Gesellschaft befördert dabei den Wandel von Systemen zu Netzwerken, so Prof. Dr. Andréa Belliger. Offene und transparente Netzwerke werden auch das Gesundheitssystem verändern.

Andreas Joehle, CEO der Hartmann-Gruppe, betonte bei der Eröffnungsveranstaltung am Vorabend die große Bedeutung von Homecare-Leistungen vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen der Gesundheitspolitik. Die großen Themen seien der Fachkräftemangel, die sektorenübergreifende Versorgung und die Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung auch in ländlichen Gebieten. Homecare könne alle drei Bereiche bedienen und unterstützen. Hinzu komme das Thema Digitalisierung und Datenaustausch, bei dem Deutschland Nachholbedarf habe. Insgesamt müsse sich die Politik noch mehr mit dem Thema Demografie auseinandersetzen, so Joehle. Es werde in Zukunft immer mehr Demente, Diabetiker und inkontinente Menschen geben – und das bei weniger Geld pro Kopf und einem zunehmenden Pflegenotstand. Homecare biete hier Lösungen für eine breite Bevölkerungsschicht an. Die Herausforderung sei, eine hohe Qualität der Patientenversorgung sicherzustellen, die im Hilfsmittelbereich auch von den Krankenkassen überwacht werden müsse.

Tobias Kurtz / 04.12.2017 - 11:09 Uhr

Tobias Kurtz / 04.12.2017 - 11:09 Uhr


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