Besseres Vertragscontrolling angemahnt

Rehacare-Diskussion: Was leistet das HHVG für die Patienten?

Diskutierten über erste Wirkungen des HHVG (v.l.): Dr. Martin Danner (BAG Selbsthilfe), Dr. Dietmar Rohland (MDK Niedersachsen), Carla Grienberger (GKV-Spitzenverband), Moderatorin Bettina Hertkorn-Ketterer, Nikolaus Schmitt (Barmer GEK), Andreas Brandhors
Diskutierten über erste Wirkungen des HHVG (v.l.): Dr. Martin Danner (BAG Selbsthilfe), Dr. Dietmar Rohland (MDK Niedersachsen), Carla Grienberger (GKV-Spitzenverband), Moderatorin Bettina Hertkorn-Ketterer, Nikolaus Schmitt (Barmer GEK), Andreas Brandhorst (Bundesgesundheitsministerium), Thomas Haslinger (Publicare) und Alexander Alius (Oped).

Sechs Monate nach Inkrafttreten: Was leistet das HHVG für den Patienten wirklich? Darüber diskutierten Experten auf dem BVMed-Hilfsmittelforum im Rahmen der Rehacare am 5. Oktober in Düsseldorf.

"Wir wollen die Qualität der Hilfsmittelversorgung erhöhen." Andreas Brandhorst, Referatsleiter im Bundesgesundheitsministerium, fasste zum Einstieg in die Diskussion die mit dem Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) verbundenen Ziele zusammen. Dabei gehe es nicht nur um den "kleinen Bereich der Ausschreibungen" und einen "einmaligen Effekt". Das Hilfsmittelverzeichnis müsse künftig daher dauerhaft weiterentwickelt werden.

Das HHVG ist zum 1. April 2017 in Kraft getreten. Bis die damit verbundenen Maßnahmen greifen und die gewünschten Effekte beim Patienten ankommen, werde es "eine Weile dauern", ist Dr. Martin Danner (BAG Selbsthilfe) überzeugt. Ihre Beratungsverpflichtungen dem Patienten gegenüber müssten Leistungserbringer und Kostenträger allerdings heute schon einlösen. Den Betroffenen sei dies aber nicht bekannt. Daher müssten ihnen ihre Rechte offensiv publik gemacht werden.

Thomas Haslinger, Geschäftsführer des Homecare-Spezialisten Publicare, legte den Finger in die Wunde. Er begrüßt ausdrücklich den politischen Willen nach Qualitätsverbesserung. "Allerdings sehen wir uns gegenüber einem nie dagewesenen Preisverfall." Er beklagte, dass bisher nicht überprüft werde, ob vertraglich vereinbarte Hausbesuche und Beratungen tatsächlich durchgeführt werden.

Die Versorgungsqualität hänge künftig vor allem davon ab, ob die Einhaltung der Verträge kontrolliert werde, so Danner weiter. Patientenbefragungen könnten seiner Meinung nach künftig einen höheren Stellenwert bekommen. Nikolaus Schmitt von der Barmer GEK stimmte ihm zu. "Versichertenbefragungen sind das einzige Instrument, das für uns relevante Ergebnisse liefert." Die Aussagen seien selbstverständlich subjektiv. "Doch das ist die für uns relevante Sicht." Die Herausforderung bei Missständen sei, an welcher Stelle des Versorgungsprozesses der Hebel anzusetzen sei. "Denn nur bei Ausschreibungen können wir die Ergebnisse klar den Leistungserbringern zuordnen." Ansonsten sei dies wegen der geforderten Anonymisierung nicht möglich. Carla Grienberger, verantwortlich für den Bereich Hilfsmittel im GKV-Spitzenverband, spricht Versichertenbefragungen nicht "das Maß aller Dinge" zu. Man müsse aufpassen, dass die Wünsche der Versicherten nicht den Rahmen des Möglichen sprengten. Je nach Fragestellung und Hilfsmittel warnte sie vor falschen Rückschlüssen. Kompressionsstrümpfe der Kompressionsklasse III etwa empfänden sicher alle Patienten als unangenehm. Daher müssten alle Kontrollinstrumente zum Einsatz kommen, um Auffälligkeiten festzustellen.

Zusammenhang zwischen Preis und Qualität

Gehe die Intention des HHVG nicht zwangsläufig mit höheren Preisen einher, fragte Moderatorin Bettina Hertkorn-Ketterer in die Runde. Alexander Alius (Oped) ist überzeugt, dass nur Qualitätsverbesserungen ein höheres Erstattungsniveau rechtfertigten. Nikolaus Schmitt bezweifelt gar einen direkten Zusammenhang zwischen Preis und Qualität. "Die Welt wird nicht unbedingt besser, wenn ein Schippchen draufgelegt wird."

Für die Entwicklung des Preises sei zudem weniger die Qualität als die Marktstruktur verantwortlich. In der Hörgeräteakustik etwa seien die Festbeträge verdoppelt worden, obwohl die Preise im Elektrobereich fielen. Bei den Hörgeräte-Akustikern nehme die Bundesinnung allerdings fast eine Monopolstellung ein. Alius hob daher die Bedeutung der Vertragsvielfalt für alle Beteiligten hervor. Die Krankenkassen sollten daher auch verstärkt mehrere Verträge zu unterschiedlichen Qualitäten und Preisen mit Leistungserbringern abschließen.

Einen ausführlichen Bericht über das BVMed-Hilfsmittelforum lesen Sie in der kommenden Ausgabe von GesundheitsProfi.

Tobias Kurtz / 06.10.2017 - 13:31 Uhr

Tobias Kurtz / 06.10.2017 - 13:31 Uhr


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