Weiteres Wachstum prognostiziert

Spectaris: Medizintechnikbranche profitiert von Digitalisierung

Für 2018 rechnet Spectaris mit einem Umsatzplus von etwa 5 Prozent. (Grafik: Spectaris)
Für 2018 rechnet Spectaris mit einem Umsatzplus von etwa 5 Prozent. (Grafik: Spectaris)

Die deutschen Medizintechnikhersteller blicken zuversichtlich auf 2018. Davon geht der Branchenverband Spectaris im Vorfeld der Fachmesse Medica in Düsseldorf aus. Die Digitalisierung treibt den Wandel voran.

Für 2017 wird mit einem Umsatzplus von knapp 5 Prozent gerechnet, so dass erstmalig die 30-Milliarden-Marke überschritten werden könnte. Auch für die Beschäftigtenzahl weisen die Prognosen einen Zuwachs aus. Es wird erwartet, dass die Anzahl der Mitarbeiter um knapp zwei Prozent auf 135.000 ansteigen wird.

Für 2018 rechnet Spectaris mit einem erneuten Umsatzplus von ebenfalls etwa 5 Prozent. Die rund 1.260 Betriebe mit jeweils mehr als 20 Beschäftigten würden dann einen Umsatz von rund 32 Mrd. Euro erwirtschaften. Inklusive Kleinstbetriebe zählen etwa 12.500 Unternehmen mit über 200.000 Mitarbeitern zur deutschen Medizintechnikindustrie.

Die Exportquote von derzeit knapp 64 Prozent verdeutlicht die hohe Bedeutung des internationalen Geschäfts. Die wichtigste Zielregion der deutschen Medizintechnikexporte ist die Europäische Union, auf die mehr als 40 Prozent der branchenrelevanten Ausfuhren entfallen. Zusammen mit den Exporten in das restliche Europa werden mehr als die Hälfte aller Ausfuhren medizintechnischer Güter ins europäische Ausland ausgeführt. Auf die Regionen Nordamerika und Asien entfallen jeweils knapp 20 Prozent der Exporte. Von besonderer Bedeutung ist das Geschäft in China: Die Exporte in das Reich der Mitte haben sich seit 2010 mehr als verdoppelt und belegen inzwischen Platz 2 des Länderrankings. Setzt sich dieses Wachstum fort, geht der Verband davon aus, dass die Volksrepublik China die Vereinigten Staaten perspektivisch als wichtigstes Zielland der deutschen Medizintechnikausfuhren ablösen wird.

Die Unternehmen profitieren weiterhin von der demografischen Entwicklung insbesondere in den reifen Volkswirtschaften, von der Etablierung und Modernisierung der Gesundheitssysteme in vielen Schwellenländern sowie von der kontinuierlich steigenden Bedeutung des Gutes Gesundheit. Daneben treiben technologische Neu- oder Weiterentwicklungen den Markt.

Auf der Angebotsseite wächst die Bedeutung Chinas, dessen Unternehmen nach den USA inzwischen der zweitgrößte Produzent von Medizintechnik sind. Daneben sind Anzeichen für eine internationale Marktkonsolidierung erkennbar, die auch in Deutschland zu einer deutlichen Zunahme des Transaktionsaufkommens führt.

Digitalisierung verändert Geschäftsmodelle

Der aktuell größte Einflussfaktor für die Branche ist die Digitalisierung. Das Geschäftsmodell der Hersteller befindet sich im Wandel, so der Branchenverband: vom klassischen Anbieter von Gerätetechnik in der letzten Dekade über den Lösungsanbieter im aktuellen Jahrzehnt hin zum Anbieter digitaler und ganzheitlicher Gesundheitslösungen in der kommende Dekade. Die Digitalisierung medizinischer Versorgungsprozesse und der Produktionsprozesse läuft. Die Themen, mit denen sich die Unternehmen beschäftigten, reichen vom vernetzten Krankenhaus und OP-Saal, Big Data, Telemedizin oder einer individualisierten Medizintechnik und dem 3D-Druck von Medizintechnik über Computer-assistierte Interventionen und Robotik bis hin zu Feedback-gekoppelten oder diagnostischen Implantaten.

Dem Umsatzwachstum stehen jedoch zunehmende Kostensteigerungen gegenüber. Aufgrund hoher Entwicklungsaufwendungen und den nicht nur in Deutschland stattfindenden Einsparmaßnahmen der Ausgabenträger nimmt der Druck auf die Ertragslage vieler Unternehmen zu. Daneben haben regulatorische Hürden und bürokratische Anforderungen inzwischen einen maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg der Unternehmen und stellen in einem steigenden Ausmaß gleichermaßen ein Innovationshemmnis, eine Wachstumsbremse und erheblichen Kostenfaktor dar.

Insbesondere die mit der neuen EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) anfallenden zusätzlichen Anforderungen werden in diesem Zusammenhang von den Herstellern als innovationsfeindlich beurteilt. Das wirkt sich auch auf die Start-up-Kultur der Branche aus: Insbesondere jungen Unternehmen fällt es angesichts der vorhandenen Zulassung- und Erstattungsfragen schwer, ihre Produkte mit dem dafür benötigten langen Atem erfolgreich auf den Markt zu bringen.

Die Marktforscher von EvaluateMedTech prognostizieren für die kommenden Jahre ein jährliches Wachstum des Weltmarktes für Medizintechnik in Höhe von rund 5 Prozent, die Marktgröße soll in 2022 einen Wert von etwa 530 Mrd. USD erreichen.

Tobias Kurtz / 13.11.2017 - 09:41 Uhr

Tobias Kurtz / 13.11.2017 - 09:41 Uhr


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